DoRA® Dortmunder Rechtschreibfehler-AnalyseDoRA wurde in den 70er Jahren entwickelt. Damit waren wir mit die Ersten, die das bloße Fehlerzählen früherer Diagnoseverfahren beendeten. Mit DoRA ist es uns möglich, jeden Fehler "zum Sprechen" zu bringen.
Denn uns interessiert nicht festzustellen, dass ein Kind oder ein Jugendlicher Fehler macht, sondern welche Probleme dahinter liegen und warum er bei der korrekten Verschriftung eines Wortes scheitert. Wenn z. B. das Wort "verbrennt" falsch geschrieben wird, dann wird es für uns erst interessant, wenn wir uns die Art der Falschschreibung ansehen: Schreibt es "ferbrennt", "verprennt", verbrennd", verbrännt", "verbrent" oder sogar eine Kombination aus mehreren Fehlern? In diesen Falschschreibungen kommen völlig unterschiedliche Probleme zum Ausdruck, mit denen der einzelne Schreiber kämpft. Diese Probleme müssen allerdings präzise erkannt werden, damit Kinder die richtige Hilfe erfahren.
Wissenschaftliche Einsichten, worin die Schwierigkeiten des Lerngegenstandes für das lernende Kind bestehen, können nicht an fehlerfreien Texten gewonnen werden. Ihnen sieht man die Schwierigkeiten ihrer Herstellung nicht mehr an. Es sind die Rechtschreibfehler der Kinder, die uns darüber aufklären. Sie waren der Ausgangspunkt unserer Fehlerforschung und damit von DoRA. Die Konzeption von DoRA® Die erkenntnisleitenden Fragestellungen bei der Konzeption von DoRA waren: - Warum und wo haben Schüler und Schülerinnen Probleme, ihren Umgang mit dem System der gesprochenen Sprache um die Beherrschung der Schrift zu erweitern?
- Welcher sprachimmanente Zusammenhang existiert zwischen dem System der Sprech- und dem der Schriftsprache?
- Welche kognitiven Leistungen verlangt deshalb der Übergang vom Medium Sprechen zum Medium Lesen und Schreiben?
Die objektive Seite der Aneignungsproblematik von Schrift war also durch die subjektive Seite zu ergänzen. Erst die subjektive Art und Weise, wie Schülerinnen und Schüler die objektive Sachlogik der Schriftsprache für sich verarbeiten, konnte Aufschluss über die Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb geben, welche sich Kindern und insbesondere rechtschreibschwachen Kindern konkret auftun. Ein entscheidender Schwierigkeitsbereich beim Schreibenlernen ergibt sich daraus, dass der Lerner das Schriftbild von Wörtern aus deren Lautstruktur für sich konstruiert. Er ist noch nicht wie der kompetente Schreiber in der Lage, entweder Wortbedeutungen direkt mit dem gewussten Schriftbild zu verknüpfen oder aber dieses Schriftbild aufgrund seines orthografischen Wissens zu (re)konstruieren. Der Lernende braucht also zunächst Wissen über die Regularitäten der Lautstruktur von Wörtern wie über die Regeln zur Übersetzung solcher Lautstrukturen in Schriftbilder. Die Dortmunder RechtschreibfehlerAnalyse (DoRA) gründet also auf der theoretischen Einsicht, dass das Schreiben- und Lesenlernen eine kognitive Auseinandersetzung mit dem Charakter der alphabetischen Schriftsprache verlangt.
DoRA ist das Ergebnis unserer Fehlerforschung DoRA ist das Ergebnis unserer Fehlerforschung, Die ursprüngliche Konzeption von DoRA wurde von uns in den 70er Jahren entwickelt. Diese erste Fassung ist dann in den Jahren 1983 bis 1990 durch weitere umfangreiche qualitative Analysen der Falschschreibungen lese-rechtschreibschwacher Kinder präzisiert, systematisch erprobt und mehrfach verbessert worden. DoRA ist somit eine Fehlertypologie, die 1. aus einem großen empirischen Analysematerial 2. einer ausgelesenen Schülerpopulation (LRS-Schülern) 3. mit der längsten Erprobungszeit entstanden ist. Diese lange Entwicklungszeit hat mit den verschiedenartigen Anforderungen zu tun, die dieses fehleranalytische System erfüllen wollte. Unser Anspruch an DoRA war, zugleich wissenschaftlichen wie auch praktischen Kriterien zu genügen. Als ein sprachlogisch begründetes Instrument sollte es Rechtschreibfehler analysieren und auf ihre Quellen im System der Schriftsprache zurückführen sowie das erreichte Niveau des Schriftspracherwerbs des einzelnen Kindes bestimmen. Als Analyseinstrument ist die DoRA-Taxonomie an jedem Text oder Rechtschreibtest einsetzbar und genügt folgenden Gütekriterien: - Rechtschreibfehler werden auf Basis einer linguistischen Analyse der deutschen Orthografie und einer phonetischen Analyse der deutschen Sprechsprache systematisch erfasst und katalogisiert, und zwar so, dass Ansatzpunkte für eine gezielte Einflussnahme zur Behebung; spezifischer Schwierigkeiten beim Schreibenlernen sichtbar werden
- die Verfahrensregeln der DoRA-Analyse sind intersubjektiv überprüfbar, so dass der willkürlichen Interpretation und Spekulation des Anwenders möglichst wenig Raum gelassen wird;
- sämtliche möglichen Fehlleistungen in der deutschen Orthografie werden hinreichend präzise bestimmt;
- die DoRA-Taxonomie bleibt dabei noch so überschaubar, dass sie nach einiger Einarbeitungszeit auch von Anwendern ohne größere sprachwissenschaftliche Vorbildung zu beherrschen ist.
Nur die richtige Fehleranalyse ist der Schlüssel zur Förderung Diese Einsicht hat insbesondere für die Diagnose und Therapie der sogenannten Lese- und Rechtschreibschwäche große Bedeutung. Welche pädagogischen, sozialen oder psychischen Faktoren - von medizinischen einmal abgesehen - hierbei eine Rolle spielen mögen: Viele Schülerinnen und Schüler scheitern an den "Schwierigkeiten" der Übersetzung von gesprochener in geschriebene Sprache und umgekehrt. Wir sind der Auffassung, dass diese Schwierigkeiten objektiv sind. Sie sind durch die Besonderheiten des Lerngegenstands "Schriftsprache" bedingt. Dieser durch die Systematik der alphabetischen Lautschrift selbst gegebene Charakter von Lese- und Rechtschreibproblemen ist damit aber umgekehrt auch der entscheidende Ansatzpunkt einer pädagogischen bzw. therapeutischen Hilfestellung. Er erlaubt - bei Berücksichtigung der subjektiven Momente des Schriftspracherwerbsprozesses - eine Systematisierung der Schwierigkeitsfelder.
Publikationen zu DoRA Löffler, I./Meyer-Schepers, U.: DoRA Dortmunder RechtschreibfehlerAnalyse zur Ermittlung des Schriftsprachstatus rechtschreibschwacher Schüler. Ein Arbeitsbuch für die Hand des Lehrers. Dortmund 1992
|