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Hausaufgabenstress

Dr. Ilona Löffler

Wenn es beim Lernen hartnäckig nicht klappt, bedeutet das Stress für die Eltern wie für das Kind. Eltern sind selten in der Lage, bei Lernschwierigkeiten ihres Kindes die Ruhe zu bewahren und die nötige Distanz aufzubringen, die insbesondere bei Lernschwierigkeiten wichtig sind, da sie eine emotionale Beziehung zu ihrem Kind haben. Wenn es Schwierigkeiten hat, etwas zu lernen und sich quält, dann leiden sie mit.


Andererseits sind Kinder, die mit dem Lesen und Schreiben nicht mitkommen, natürlich froh, wenn die letzte Schulstunde vorüber ist. Dass es am Nachmittag dann erneut mit dem Lesen und Schreiben weitergehen soll, ist für sie eine Last, der nicht freudig nachgekommen wird. Die Eltern-Kind-Beziehung wird durch die tägliche Hausaufgabenpraxis und die Versuche, die Rückstände aufzuholen, extrem belastet. Eltern fühlen sich durch die Hausaufgabensituation und die Verhaltensweisen ihres Kindes oft überfordert.

Mutter und Tochter_180.jpg

Die Hausaufgabenpraxis gestaltet sich keineswegs so, dass der Lernstoff lediglich vertieft und geübt werden müsste, damit ihn das Kind sicher beherrscht.

Vielmehr ist es ständig auf Hilfe angewiesen. Bei den schriftlichen Hausaufgaben sehen sich die Eltern mit dem Unvermögen ihres Kindes konfrontiert, diese überhaupt bewältigen zu können.

Gerade Schulkinder brauchen Zeit, ihre Spiel-, Erholungs- und motorischen Bedürfnisse auszuleben. Diese notwendige Zeit ist für lese-rechtschreibschwache Kinder verkürzt, obwohl gerade sie Aktivitäten brauchen, in denen sie sich beweisen oder schlicht einmal "abschalten" können.

 

Bei den Hausaufgaben erleben lese-rechtschreibschwache Kinder nie Spaß und Erfolg, sondern nur, dass sie es nicht können, auch wenn sie mehr üben als andere, und ihnen für Unternehmungen und Interessen weniger Zeit bleibt als den Freunden. Lesen und Schreiben ist "ätzend". Sie sind lustlos und versuchen natürlich, es zu meiden. In den häuslichen Übungssituationen kommt es mehr und mehr zu Konflikten.


Wenn die Nerven durchgehen

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Die Ausbrüche genervter Eltern: "Du brauchst immer so lange!", "Du konzentrierst dich nicht genug!", "Du merkst dir die einfachsten Wörter nicht!" wirken sich auf den emotionalen Umgang zwischen Eltern und Kind aus und bestimmen das Klima für den Rest des Tages. Umgekehrt will das Kind es doch richtig machen, damit der Haussegen nicht schief hängt. Und weil es das nicht schafft, fühlt es sich schuldig, dass seine Eltern unglücklich und ärgerlich sind.
Das Kind wehrt sich, ständig in Versagenssituationen zu kommen, sträubt sich nachhaltig, weint oder wird bockig und manche verweigern sich schließlich ganz. Das Vermeiden von Lernsituationen ist die typische Reaktion eines lese-rechtschreibschwachen Kindes.

Die kleinen Unaufrichtigkeiten: "Wir haben nichts auf" oder "Wir schreiben morgen kein Diktat" entspringen derselben "Not". Es versucht, der ständigen Erfahrung von Misserfolg zu entkommen.

Die Rückgabe des Diktats, für das so viel geübt worden war ("20 Fehler, deshalb Note 5"), ist ein wiederkehrendes Drama für Eltern und Kind. Eltern kommen in die Lage, sich verteidigen zu müssen, weil sie in der eigenen Familie oder in der Schule dem Vorwurf ausgesetzt sind, nicht genug geübt zu haben.

Die Beziehung zwischen Kind und Eltern, aber auch zwischen den Eltern, kann im Zusammenhang mit Schule zu einem chronischen zwischenmenschlichen Stress werden. Die Leistungsprobleme und Verhaltensreaktionen prägen die Sicht auf das Kind. Nicht wenige Eltern lese-rechtschreibschwacher Kinder fürchten um die emotionale Beziehung zu ihrem Kind: "Die Beziehung zwischen mir und meiner Tochter geht kaputt. Es gibt nur noch Probleme und nichts Schönes mehr zwischen uns".

Eltern wie Kind kommen in die Situation, dass sie im Grunde nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Die Eltern machen sich (und gegenseitig) Vorwürfe, entwickeln Schuldgefühle, dabei haben sie sich nichts vorzuwerfen. Denn wenn gravierende Lese- oder Schreibschwierigkeiten vorliegen, sind Lernfortschritte von Eltern nicht zu schaffen und sie sind damit objektiv überfordert.


Hilferufe

Unsere Erfahrungen im gutschrift | Institut bestätigen uns täglich, dass die Kinder, die nach außen lustlos wirken und eine Abwehrhaltungen entwickelt haben, in Wahrheit Hilfestellungen suchen. Kein Kind ist gern ein "Versager" und lässt sich gern von anderen deswegen hänseln.


 


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