IGLU-2001 Ergebnisse zur RechtschreibschwächeDr. Ilona Löffler Dr. Ilona Löffler hat im Rahmen von IGLU-E ermittelt, dass die Vorkommenshäufigkeit einer Rechtschreibschwäche bei 10,1% liegt.
Damit liegen zum ersten Mal verbindliche Zahlen für Deutschland vor. Alle bisherigen Untersuchungen zu dieser Frage verletzten in einem solchen Ausmaß die wissenschaftlichen Standards der empirischen Sozialforschung, dass ihre Angaben ohne Wert waren.
Mit wie vielen rechtschreibschwachen Schülern ist in einer Schulklasse zu rechnen? Wenn man von einer Normalverteilung ausgeht, befinden sich in jeder Klasse teststatistisch drei Kinder mit dieser spezifischen Lern-/Leistungsstörung.
Finden sich besondere Fehlerprofile bei Rechtschreibschwächen?  | Auf Grundlage der Analyse von über 120.000 Einzelfehlern wurde insbesondere das Fehlerbild der rechtschreibschwachen IGLU-Schüler qualitativ analysiert.
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| (aus: Löffler, I. / Meyer-Schepers, U.: Orthographische Kompetenzen: Ergebnisse qualitativer Fehleranalysen, insbesondere bei schwachen Rechtschreibern. In: Bos, W. e.a. (Hrsg.): IGLU. Vertiefende Analysen zum Leseverständnis, Rahmenbedingungen und Zusatzstudien, Münster 2005.) |
Ihr Lernstand weist folgende Merkmale auf: - mehr von denselben Fehlern wie durchschnittliche Rechtschreiber
- mehr Einzelfehler pro Wort (höhere Fehlerdichte)
- starke Vielfalt von Fehlervarianten
- die Fehler gehören verschiedenen Kompetenzstufen an
Rechtschreibschwache IGLU-Schüler schrieben z.B. das Wort "Matratzen" in 107 Fehlervarianten. Ein Beispiel für die Vervielfältigung bereits einer Fehlerklippe im Wort "Matratzen" zeigt die folgende Grafik: 
Zum besorgniserregenden Ergebnis der analysierten 120.000 Einzelfehler der deutschen Viertklässler in IGLU gehört mithin: Zusammenfassung - Je mehr rechtschreibschwache Schüler im Verlauf ihrer Entwicklung von der Schrift und ihren Verschriftungsmöglichkeiten erfahren, desto größer wird ihre rechtschriftliche Verunsicherung und Konfusion.
- Rückstände rechtschreibschwacher Schüler im Schriftspracherwerbsprozess sind nicht, wie man bislang vermutet hat, ein Zurückbleiben auf den elementaren Stufen der Schriftkompetenz. Vielmehr handelt es sich um Fehler, die sowohl der elementaren als auch der erweiterten Stufe der Schriftkompetenz angehören, die sich vermischen und ihr Fehlerbild und ihren rechtschriftlichen Zustand prägen. (...) Mehr noch: In ihre Rechtschreibbemühungen ist mehr oder weniger starke Verunsicherung eingekehrt, ein ungelöstes Problem zieht weitere Probleme nach sich, als hätten sie sich einen ,Fehlervirus' eingefangen, der mitunter zum ,Rechtschreibkollaps' führt.
- Der wohlmeinende Rat, der in ersten und zweiten Klassen besorgten Eltern oft gegeben wird, "das wächst sich aus", ist fehleranalytisch widerlegt bzw. er bewahrheitet sich bei rechtschreibschwachen Kindern in anderer furchtbarer Weise. Rechtschreibschwächen müssen früh, d.h. im Verlauf der ersten und zweiten Klasse, erkannt werden.
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