IGLU-Ergebnisse zur Rechtschreibung und zu RechtschreibschwächenUm genauere Aussagen zum orthografischen Entwicklungsstand der IGLU-Schülerpopulation treffen zu können und Aufschlüsse über Unterschiede zwischen guten und schwachen Rechtschreibern zu gewinnen, wurden sämtliche Einzelfehler erfasst und qualitativ ausgewertet.
Insgesamt wurden computergestützt 120.123 Einzelfehler analysiert (vgl. die drei IGLU-Bände). Die hier nur exemplarisch referierten Resultate beziehen sich auf die Fragestellung, welche qualitativen Fehlerschwerpunkte vorliegen und wie sie sich auf drei Gruppierungen innerhalb der IGLU-Schüler verteilen: Die besten 25 Prozent, das Mittelfeld und die schwächeren unteren 25 Prozent. Besonders wichtig war es für uns, im Gruppenvergleich die spezifischen Lernprobleme der rechtschreibschwachen Schreiber herauszufiltern. Die drei Gruppen wurden nach der Menge der Einzelfehler (nicht Wortfehler) gebildet und nach den Dimensionen und Niveaustufen des gutschrift|Kompetenzmodells ausgewertet.
Die neue Art des gutschrift|Auswertungsverfahrens Sie besteht in einer neuen didaktischen Sichtweise, da sie von der Erkenntnis ausgeht, dass jedes Wort aus einer Kombination orthografie-systematisch relevanter Bestandteilen besteht, die im Einzelnen auswertbar sind. Erst dieses Verfahren und der Vergleich unterschiedlich leistungsstarker Schülergruppierungen in IGLU führte zu vertiefenden, da präziser und erst eigentlich kriteriums- und kompetenzorientierten, repräsentativen Ergebnissen über lernstandstypische und -untypische Rechtschreibentwicklungen.
IGLU-Ergebnisse zu Rechtschreibschwächen Zum besorgniserregenden Ergebnis der mit gutschrift|diagnose (ehem.DoSE) analysierten Fehlerbilder gehören: - Je mehr rechtschreibschwache Schüler im Verlauf ihrer Entwicklung von der Schrift und ihren Verschriftungsmöglichkeiten erfahren, desto größer wird ihre rechtschriftliche Verunsicherung und Konfusion.
- Rückstände rechtschreibschwacher Schüler im Schriftspracherwerbsprozess sind nicht, wie man bislang vermutet hat, ein Zurückbleiben auf den elementaren Stufen der Schriftkompetenz. Vielmehr handelt es sich um Fehler, die sowohl der elementaren als auch der erweiterten Stufe der Schriftkompetenz angehören, die sich vermischen und ihr Fehlerbild und ihren rechtschriftlichen Zustand prägen. Mithin stellen sich die Entwicklungsrückstände im Rechtschreiblernprozess dieser Gruppierung auch nicht als ein einfaches Zurückgebliebensein auf der elementaren Kompetenzstufe dar. Im Gegenteil zeugen die Vermischungen von Fehlschreibungen auf allen Ebenen davon, dass die Schüler Erfahrungen mit allen für Grundschüler im Unterricht vorgesehenen Orthografiebereichen gemacht haben, dass sie diese aber kaum in ein einsichtiges regelnutzendes Konstruieren von Schriftbildern umsetzten können. Die im Unterricht zu erzielende Klärung, worin eine Schreibvorschrift besteht, welche Anwendungsbedingungen zu beachten sind und wie sie zu anderen orthografischen Vorschriften im Verhältnis steht, ist offensichtlich nicht genügend sicher bei ihnen ,angekommen'. Mehr noch: In ihre Rechtschreibbemühungen ist mehr oder weniger starke Verunsicherung eingekehrt, ein ungelöstes Problem zieht weitere Probleme nach sich.
- Der wohlmeinende Rat, der in 1. und 2. Klasse oft gegeben wird, "das wächst sich aus", ist fehleranalytisch widerlegt bzw. er bewahrheitet sich bei rechtschreibschwachen Kindern in anderer furchtbarer Weise. Rechtschreibschwächen müssen früh, d.h. im Verlauf der 1. und 2. Klasse, erkannt werden.
- Bislang gab es keine verbindlichen Angaben über die Vorkommenshäufigkeit von Rechtschreibschwächen in Deutschland. Im Rahmen von IGLU konnten wir ein Vorkommen von 10,1% ermitteln. Hierbei haben wir die klassische Definition zugrunde gelegt: die Diskrepanz zwischen mindestens durchschnittlicher Intelligenz und schwachen Leistungen im Lesen und/oder Rechtschreiben. Anzumerken ist allerdings folgendes Ergebnis: Rechtschreibschwache Kinder, auch wenn sie sich in ihrem Intelligenzniveau unterscheiden,
Löffler, I. und Meyer-Schepers, U. haben in IGLU über 120.000 Einzelfehler analysiert. Rechtschreibschwache IGLU-Schüler schrieben z.B. das Wort "Matratzen" in 107 Fehlervarianten. Ein Beispiel für die Vervielfältigung bereits einer Fehlerklippe im Wort "Matratzen" zeigt die folgende Grafik: 
Löffler, I. / Meyer-Schepers, U.: Orthographische Kompetenzen: Ergebnisse qualitativer Fehleranalysen, insbesondere bei schwachen Rechtschreibern. In: Bos, W. e.a. (Hrsg.): IGLU. Vertiefende Analysen zum Leseverständnis, Rahmenbedingungen und Zusatzstudien, Münster 2005.
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