Was ist am Lesen- und Schreibenlernen so schwer?Dr. Ilona LöfflerUm Probleme, die der Schulanfang und speziell der Erwerb des Lesens und Schreibens den Kindern bereitet, besser zu verstehen, versuchen Sie, den folgenden Text zu lesen. Es wird Ihnen sicher nicht leicht fallen.
RNUSZAW MWT KARAWKAUWAW IRD RNPAU. (R = S, M = U, K = L, N = CH, T = D, U = R, S = EI, P = W, Z = B, A = E, W = N, I = I, D = T)
Für den Schulanfänger bietet das Lesen- und Schreibenlernen ähnlich große Schwierigkeiten: 
Er muss die verschiedenen grafischen Gestalten der Buchstabenzeichen, die uns längst geläufig sind, erst kennen lernen und sie mit den richtigen Sprachlauten verknüpfen lernen. Beim Schreiben darf er wiederum nicht versuchen, jede gesprochene Lautnuance mit Buchstaben wiedergeben zu wollen. Er muss lernen, dass es 'unwichtige' Lautnuancen gibt, die er nicht in Buchstaben übersetzen darf. Dann gibt es wiederum verschiedene Sprachlaute, für die er jedoch nicht verschiedene Buchstaben schreiben darf.
- Wir sprechen verschiedene e-Laute, aber er darf nur einen e-Buchstaben schreiben und keinen anderen, der gar nicht so falsch wäre:
"Pfannö" (die Pfanne), "Fäst" (das Fest), "Bönemn" (das Benehmen). - Dann muss es lernen, dass nicht alle Sprechlaute eines Wortes einen Buchstaben erhalten. Es muss lernen, dass 'unwichtige' Nuancen nicht durch Buchstaben wiedergegeben werden: So darf er nicht: "strömpte" schreiben, sondern "strömte", obwohl man einen Sproßlaut zwischen "m" und "t" spricht.
- Auf der Seite der Buchstaben wiederum muss er darauf achten, die Formdetails von Buchstaben genau auseinander zu halten:
"baben" statt "haben".. - Und dass er zum guten Schluss auch noch darauf achten muss, dass die Buchstabenfolge der Lautfolge des gesprochenen Wortes entspricht, verlangt ihm eine schwere Leistung ab: Denn während er sich auf den Einzellaut konzentriert, den er gerade in der richtigen Buchstabengestalt schreiben soll, muss er gleichzeitig die gesamte Lautfolge des Wortes im Gedächtnis behalten.
Bei so vielen Problemen auf einmal, behilft man sich eben, so gut man kann! Aus wenigen Merkmalen z.B. schließt das Kind beim Lesen darauf, wie ein Wort vielleicht heißen könnte - und rät in vielen Fällen daneben. Oder es merkt sich die Inhalte der Lesestücke, um seinen Mangel an Lesevermögen auszugleichen. Erstklässler, die das ganze Lesebuch am Ende des Schuljahres auswendig können, ohne je ein Wort richtig erlesen zu haben, sind keine Seltenheit.
Kein Kind will absichtlich Fehler machen. In seinen Fehlern zeigt es uns die Probleme auf, mit denen es kämpft. Rufen Sie uns an: Wir bringen die Lese- und Schreibfehler Ihres Kindes zum "Sprechen".
|