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Wie verbreitet sind Lese-Rechtschreibschwächen?

Im Rahmen von IGLU-E wurde ermittelt, dass die Vorkommenshäufigkeit von Rechtschreibschwächen bei 10,1% liegt. Damit liegen zum ersten Mal verbindliche Zahlen für Deutschland vor.


Wissenschaftler der Universität Bielefeld schätzten sogar, dass etwa 15% aller Grundschulkinder so große Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben, dass bei ihnen eine Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) diagnostiziert würde. Die fachkundige und rechtzeitige Behandlung der LRS ist also eine zentrale Aufgabe.

Ein sehr einfühlsamer Schulleiter hat einmal bemerkt: "Einem Kind mit Lernproblemen wird die Kindheit genommen." Eine solche Aussage erschreckt natürlich und man denkt, dass das nicht sein darf!

Wir möchten Ihnen hier versichern, dass das nicht so sein muss! Die meisten Lernstörungen in den verschiedensten Lebensbereichen, auch die Lese- und Rechtschreibstörung, sind nach heutigem Kenntnisstand unnötig, da behebbar.

Wir denken, dass dies eine ganz wichtige Mitteilung für die betroffenen Eltern ist, da sie mit der Diagnose "Legasthenie" oft die Vorstellung verbinden, dass ihr Kind sein Leben lang nicht richtig lesen und schreiben können wird.


Ergebnisse von PISA und IGLU

Im Rahmen von IGLU wurde außer der Lese- auch die Rechtschreibkompetenz erfasst. Dies ist die erste repräsentative Untersuchung der orthographischen Kompetenzen deutscher Schüler und Schülerinnen. Verwendet wurde der Rechtschreibtest gutschrift | diagnose (ehem. DoSE, Dortmunder Schriftkompetenz-Ermittlung), der von Dr. Ilona Löffler und Dr. Ursula Meyer-Schepers, Leiterinnen des gutschrift | |nstituts zum Aufbau von Lese- und Schreibkompetenz in Bochum und Dortmund, entwickelt wurde. Insgesamt können - so das Ergebnis -, die Rechtschreibkenntnisse der deutschen Viertklässler nicht als zufrieden stellend bezeichnet werden.

Das besondere Augenmerk muss auf eine "Risikogruppe" von etwa 15 Prozent Kindern gerichtet werden, denn sie haben noch in der 4. Schulklasse gravierende Rechtschreibprobleme: Über 80% der Testwörter schrieben sie falsch, und zwar mit im Durchschnitt mindestens 2 Fehlern pro Wort. Außerdem hatten sie bei etwa 50% der Rechtschreibphänomene, die in der 4. Klasse gelehrt werden, Schwierigkeiten, ebenso bei 25% der elementaren orthographischen Kompetenzen, die eigentlich laut Lehrplänen bis zum Ende der 2. Klasse erworben sein müssten. Diese Daten verdeutlichen, dass es der Schule, so wie sie gegenwärtig organisiert ist, nicht gelingt, eine kleine Gruppe von Schülerinnen und Schülern in den Schlüsselqualifikationen Lesen und Schreiben angemessen zu fördern.


Mit wie vielen rechtschreibschwachen Schülern ist in einer Schulklasse zu rechnen?

Wenn man von einer Normalverteilung ausgeht, befinden sich in jeder Klasse teststatistisch drei Kinder mit dieser spezifischen Lern-/Leistungsstörung.


Finden sich besondere Fehlerprofile bei Rechtschreibschwächen?

Löffler&Meyer-Schepers haben die Fehler der rechtschreibschwachen IGLU-Schüler qualitativ analysiert. Ihr Lernstand weist folgende Merkmale auf:

  • mehr von denselben Fehlern wie durchschnittliche Rechtschreiber
  • mehr Einzelfehler pro Wort (höhere Fehlerdichte)
  • starke Vielfalt von Fehlervarianten
  • die Fehler gehören verschiedenen Kompetenzstufen an

Löffler&Meyer-Schepers haben in IGLU über 120.000 Einzelfehler analysiert. Rechtschreibschwache IGLU-Schüler schrieben z.B. das Wort "Matratzen" in 107 Fehlervarianten. Ein Beispiel für die Vervielfältigung bereits einer Fehlerklippe im Wort "Matratzen" zeigt die folgende Grafik:

Matratzen_515

 


 


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